Er ist mit mir zufrieden
Vor 250 Jahren starb der Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
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"Ich bin fertig, ich bin in den Willen meines Herrn ganz ergeben, und er ist mit mir zufrieden."
Als Nikolaus Ludwig von Zinzendorf vor 250 Jahren, am 9. Mai 1760, starb, ging ein schillerndes
Leben zu Ende. Für die Verbreitung des christlichen Glaubens war der Reichsgraf, der am Schluss
mit sich und seinem Herrgott im Reinen war, durch die halbe Welt gereist.
In die Geschichte ging er als Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine ein, der heute eigenen Angaben
zufolge 835.000 Mitglieder weltweit angehören.
Zu seinem Begräbnis auf dem Herrnhuter Gottesacker in der ostsächsischen Oberlausitz zogen 2.100
Menschen hinter Zinzendorfs Sarg her. Weitere 2.000 sammelten sich als Beobachter am Wegesrand, unter
ihnen auch ein Kommando Grenadiere, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern. Trotz großer
Anfeindungen hatte der 1700 in Dresden geborene Zinzendorf unzählige Menschen mit seiner
gefühlsbetonten Frömmigkeit angezogen.
Der kleine "Lutz", so sein Spitzname als Kind, wuchs im Umfeld des lutherischen Pietismus auf. Die
Beurteilungen seiner Lehrer am Pädagogium in Halle fielen zunächst verheerend aus. Dem Kind
bescheinigten sie "Bosheit", "Narrheit" und einen exzessiven Hang zur Unordnung. Bereits im frühen
Alter wollte Zinzendorf seine Mitschüler religiös beeinflussen und gründete mit 14 Jahren einen
Disputierclub.
Nach einem abgebrochenen Jura-Studium in Wittenberg und einer ausgedehnten Bildungsreise durch
verschiedene Länder erwarb der Graf 1722 von seiner Großmutter Gut Berthelsdorf in Ostsachsen. Im
Jahr zuvor hatte er Erdmuthe-Dorothea von Reuß geheiratet. Ihr versprach er allerdings nur eine
sogenannte Streiterehe, in der es weniger um das persönliche Glück als vielmehr um die gemeinsame
Sache des Glaubens gehen sollte.
Umgehend erlaubte Zinzendorf mährischen Glaubensflüchtlingen, sich auf seinem Gut niederzulassen.
Die Handwerkerfamilien waren Nachkommen der Böhmischen Brüder, die sich auf den Reformator Jan Hus
beriefen. Hus war 1415 als Ketzer verbrannt worden.
Für die Glaubensflüchtlinge wurde 1722 der Ort Herrnhut gegründet. Fünf Jahre später lebten in der
christlichen Gemeinschaft schon 220 Menschen verschiedener Herkunft. Immer wieder kam es zu
theologischen Streitereien.
Zinzendorf, dem die "Bruderliebe" wichtiger war als Standes- und Konfessionsgrenzen, führte
verbindliche Regeln des Zusammenlebens ein. Es ging um einen Dienst aller füreinander. Einfache
Handwerker konnten leitende Ämter übernehmen.
Bei täglichen Hausbesuchen wurden Bibelverse und Liedzeilen weitergesagt. Der Brauch führte zur
Entstehung der gedruckten Herrnhuter Losungen mit Bibeltexten, Gebeten oder Liedversen für jeden
Tag, als deren Erfinder Zinzendorf gilt. Das Andachtsbuch erschien erstmals 1731, es wird von der
Brüdergemeine jährlich ohne Unterbrechung bis heute herausgegeben. Mittlerweile erscheint es in
50 Sprachen und wird in Deutschland in Millionenauflage gedruckt.
Zinzendorf stehe für etwas, was als Spiritualität bezeichnet werden könne, würdigt ihn der heutige
sächsische Landesbischof Jochen Bohl. Als Beispiele nennt er die regelmäßigen Gebete, die Bibellesung
in Gemeinschaft und auch die starke Rolle der Kirchenmusik. Allein Zinzendorf dürfte rund 2.000
Lieder verfasst haben, darunter "Jesu geh voran". Bohl bezeichnet seinen Todestag daher auch als
ein "bedeutendes Datum für die Kirchen der Reformation".
Nach der inneren Festigung der Gemeinschaft startete die Brüdergemeine 1732 ihre weltweite Werbung
für den christlichen Glauben. Missionare wurden auf die mittelamerikanische Insel St. Thomas, nach
Grönland oder Lappland geschickt. Zugleich nahmen die kirchenpolitischen Anfeindungen zu. Der
katholische Kaiser aus Wien beschwerte sich, weil er Untertanen an Zinzendorf verlor. Zweimal
wurde der Reichsgraf aus Sachsen ausgewiesen.
Als Exilant zog Zinzendorf lange Jahre in Deutschland und Europa umher, ließ sich als Theologe
ordinieren und sogar zum "Brüder-Bischof" weihen. Er besuchte Indien und lebte in Amerika mit
Indianern zusammen. 1747 wurde die Verbannung schließlich aufgehoben. 1756 starb seine von ihm
mittlerweile entfremdete Frau. Sie hatte zwölf Kinder geboren, von denen nur vier das Kindesalter
überlebten.
Der erste Biograf und enge Mitarbeiter Zinzendorfs, August Gottlieb Spangenberg, beurteilte den
Grafen nach seinem Tod so: "Seine Gemütsbewegungen waren stark, heftig und gingen leicht zu weit.
Er konnte aus Liebe zu nachgebend, und aus Eifer zu streng und hitzig sein". (epd)
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